Die Geburt im Kreissaal ist ein besonderes Erlebnis
Die Geburt eines Menschen ist sicherlich eines der ergreifendsten Erlebnisse überhaupt. Daher kann ich nur empfehlen, dass auch die werdenden Väter daran teilnimmen. Natürlich nicht nur aus Eigennutz, sondern auch um der Schwangeren bei dem bevorstehenden Kraftakt beizustehen. Viele Frauen empfinden es als große Unterstützung, wenn der Mann sie in der Geburtsphase unterstützt. Dabei kann ich alle Männer beruhigen, denn die bloße Anwesenheit, Zuspruch und etwas Handhalten hilft der Frau schon ungemein. Im Geburtsvorbereitungskurs werden die Männer auch auf ihre Rolle während der Geburt vorbereitet und so kann man eigentlich wirklich nicht viel falsch machen.
Natürlich ist die Hauptakteuerin der Geburt die Frau. Sie ist es, um die sich alles im Kreissaal dreht. Eine Beleghebamme, die man schon im Geburtsvorbereitungskurs kennengelernt hat und die man in ihrer Bereitschaft schon vor der Geburt kontaktiert hat, wird einen im Normalfall auf Abruf zur Seite stehen. Wir riefen unsere Hebamme um 5.00 Uhr morgens an und sie kam darauf zu uns nach Hause. Nach einigen Stunden, die die Hebamme meine Frau noch zuhause betreuete, machten wir uns dann gegen Mittag zum Krankenhaus auf. Während ich die Patientenanmeldung, also den Verwaltungskram erledigte, sorgte die Hebamme dafür, dass die Voruntersuchungen (Ultraschall, CTG, Blutabnahme etc.) durchgeführt wurden. Dann ging es in den Kreissaal. Hier gibt es meist mehrere Möglichkeiten. Man kann z.B. in der Badewanne gebären, auf dem Hocker oder im Liegen. Im Kreissaal findet man aber je nachdem vielleicht auch Pezzi-Bälle oder Matten.
Die richtige Position sollte in erster Linie die sein, die der Schwangeren am ehesten zusagt, sofern dies medizinisch sinnvoll und möglich ist. Wir waren von der angenehmen Atmosphäre überrascht, sowohl zwischen Hebamme und Ärztin also auch seitens des Fachpersonals zu uns. Dies mag nicht immer so sein, aber glücklicherweise hört man dies doch immer öfter. Vertrauen ist wichtig und die Aufgabe der Geburt ist ein "Projekt", dass man eben am besten als Team und in gegenseitigem Vertrauen vollbringt. Wenn alles glatt verläuft und nach einem vermutlich langem Kraftakt das Kind geboren wird, ist es natürlich ein unglaubliches Gefühl, wenn man sein Baby plötzlich auf dem Bauch der Mutter liegen sieht. Der Papa hat dann meist die Ehre, die Nabelschnur durchzuschneiden und das ist dann endgültig der Start eines neuen Erdenbürger(-innen)lebens.
Danach ist es wichtig, dass die Mutter wieder zu Kräften kommt. Evt. wird noch die Dammnaht genäht, sofern ein Dammschnitt durchgeführt wurde. Das Baby wird untersucht und gebadet, der Mutterkuchen entsorgt. Viele Krankenhäuser bieten im Anschluß an die Geburt auch ein gemeinsames Familienzimmer an, sofern die Kapazitäten dies zulassen. Dann hat der Papa auch die Möglichkeit, die nächsten Tage mit Mama und Baby, bereits gemeinsam zu verbringen. Wenn es auch etwas teurer ist, so ist dies, wirklich empfehlenswert. So hat die neue Familie direkt die Möglichkeit sich gemeinsam an die neue Situation zu gewöhnen.
Überhaupt ist es schön, wie sehr doch gerade in den letzten Jahren, der Geburtsvorgang und die darauffolgenden Tage geändert wurden. Früher liefen die Väter den Krankenhausflur auf uns ab und rauchten eine Zigratte nach der anderen. Dann gab es nach der Geburt Stillzeiten und der Vater durfte nicht zur Mutter und Kind. Schön, dass es heute anders ist. Daher sollte man die Möglichkeiten auch nutzen und Geburt und Nachbereitung auch gemeinsam erleben.
In den ersten Tagen nach der Geburt bekommen Mama und Papa noch einmal am lebenden "Objekt" gezeigt, wie man z.B. Pampers wechselt, das Baby wäscht, kämmt und am geschicktesten Vitamin D und Fluor-Tabletten verabreicht. Nach 3 oder 4 Tagen kann es dann auch schon wieder nach Hause gehen, wenn hiergegen keine Bedenken mehr bestehen.
Natürlich gibt es auch ganz andere Varianten und Verläufe von Geburten wie z.B. Hausgeburten, Geburten ohne Beleghebamme, Frühgeburten oder geplante und spontane Kaiserschnittgeburten. Hier verläuft einiges natürlich notwendigerweise ganz anders. Falls man im Vorfeld hierzu Fragen hat, ist eine Hebamme und/ oder die Frauenärztin/-arzt sicherlich ein guter Ansprechpartner. Viele Krankenhäuser bieten auch z.B. 1x Woche einen Besichtigungstermin für den Kreissaal und die Säuglingsstation mit Kinderzimmer an. Diese Möglichkeit sollte man nutzen, auch um evt. schon Ärzte und Pflegepersonal kennzulernen und sich ein Bild von der dortigen Atmophäre zu machen. Insbesondere auch, wenn man mehrere Krankenhäuser miteinander vergleicht, ist ein vorheriger Besuch sinnvoll.